NEXT LEVEL RECYCLING – STADT AUS MÜLL

Wer weiß, vielleicht werden zukünftig unsere Städte ganz aus Müll bestehen. Wir hätten ja genug davon. Reichlich viele Ideen was man mit Müll jeglicher Art so nützliches treiben kann, gibt es auch. Einige davon möchten wir euch im Folgenden vorstellen. Seid gespannt auf Müllfliesen, gedruckte Rohre, Häuser aus Geschmolzene, und wärmendem Seetang.  

  • PLASMA ROCK(s)
    Plasmavergasung klingt grausam, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil: so werden aus unnützen Müllbergen, Steinhaufen. Wie es dazu kommen kann, darum kümmert sich eine niederländische Designerin. Einst machte sie sich ernsthafte Sorgen über Müllhalden die zu nah am Wasser liegen. Berge an ausrangiertem Material, das nicht mehr recycelt oder verbrannt wird. Um diese meist umweltschädlichen Teile, doch noch zu verwerten und weg vom Ufer zu bekommen, informierte die Designerin sich, wie man Rohstoffe daraus gewinnen kann. Sie entdeckte „Plasma Rock“. Extrem hartes Material aus verbranntem Müll, aus dem beispielsweise Fliesen hergestellt werden können. Dies soll nun auch im großen Stil passieren, so dass das ansteigende Meer keine Chance bekommt um den Müll zu verschlucken und sich daran zu vergiften.

 

  • HYGIENE AUS DEM DRUCKER
    In Australien experimentiert man derweil mit 3D Druckern. Wundersame Maschinen die aus Nutzlosem, Nützliches machen können. Mittlerweile wissen wir alle, dass wir den Planeten mit Einwegplastik verseuchen. Mal wieder 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen, dachten sich die Wissenschaftler in Melbourne: dem Überfluss an Plastikflaschen entgegenwirken und nachhaltige, kostengünstige Sanitärsysteme für Krisengebiete herstellen. Das Projekt 3D Wash schmilzt also Verpackungsmüll zu Materialfäden, die sich für den 3D Drucker eignen. Auf Knopfdruck kommen hier Verschraubungen, Rohre, Hähne für eine Kanalisation heraus. Das nennen wir mal nachhaltig hygienisch!

 

  • LEGOHAUS AUS PLASTIK
    Nein, dieses Haus ist nicht für Barbie oder die fröhliche Lego-Familie, sondern für uns. In Bogotá, Kolumbien, erkannte Oscar Mendez (Conceptos Plasticos) das Problem – zu viel Plastikabfall, kaum Recycling und nicht genügend Dächer über den Köpfen der Menschen. Er entwickelte günstig herzustellende, zusammensteckbare Ziegelsteine aus eingeschmolzenem Plastik. Vor allem in wirtschaftlich schwachen, entlegenen Gegenden sind diese Steck-Ziegel ein Segen, denn jeder kann mit ihnen ein Haus bauen – auch ohne Bauerfahrung. In einer Woche kann so ein kleines Haus mit geringen Kosten auf die Beine gestellt werden. Inspiriert vom Kinderspielzeug Lego, designte Mendez die Ziegel, so dass keinerlei Verklebungen oder andere Befestigungen mehr notwendig sind. Man steckt die Ziegel zusammen, et voilà. Naja, ganz so einfach wird es wohl nicht sein, aber eine günstig gebaute und umweltschonende Unterkunft  ist es mit Sicherheit.   

 

  • WÄRMENDE  ALGEN  
    Eine etwas andere Art von brauchbarem Müll entsteht im Meer. Büschelweise wird Seetang an Stränden angespült und verdorrt dort. Dessen faserige Struktur eignet sich allerdings perfekt zum Isolieren, was auch das deutsche Unternehmen NeptuTherm findet. Die Blätter vom Neptungras sind also hervorragend für die Dämmung von Dächern und Hauswänden. Es wächst nach und braucht keine weitere chemische Behandlung um seine besten Eigenschaften hervorzubringen. Das Material ist von sich aus nämlich schimmelfrei und feuerfest, im Gegensatz zu anderem natürlichen Isolierstoff.  Wenn es also seine Zeit hinter sich hat, ist es immer noch bereit für den Komposthaufen. Der Energieauffand, das Meeresgestrüpp isolierreif zu bekommen, ist sehr gering. Wir können nur hoffen, dass bald  vermehrt mit Algen gewärmt wird – dann sind die Strände wieder frei und uns wird auf natürliche Weise warm.

 

Bis es allerdings so weit ist und auch wir mit Fliesen aus Müll unsere Terrasse bepflastern, im großen Stil Sanitärabflüsse in Kriesengebieten installieren und Legohäuser aus Plastikflaschen bauen, wird es noch eine Weile dauern. Bis dahin, sucht euch die schönste Trinkflasche von Dopper aus, und vermeidet Einwegplastik.  Das kann nämlich jeder!

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