MEHR MODE AUS DEM MEER

Die Modeindustrie richtet sich langsam nach dem Nachhaltigkeitstrend und präsentiert immer kreativere Marketingstrategien die nach Lösungen für die Verschmutzung unserer Weltmeere klingen. Sich abheben von der Masse – mit Massenproduktion. Ist das überhaupt möglich –  und was bringt es, unkaputtbares Material zu neuen kurzlebigen Produkten zu verarbeiten? Recycling klingt toll, doch ob es die Modeindustrie nachhaltiger macht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Oder können kompostierbare Rohstoffe, wie glibberige Algen, die Zukunft der Modeindustrie bestimmen? Wir haben uns für euch ein wenig zu dem Thema umgesehen.

MODE AUS OZEANPLASTIK

Trotz wachsendem Nachhaltigkeitsgedanken kaufen wir mehr und nutzen das Neue viel kürzer als noch vor 15 Jahren. Doch Recycling-Marketing der großen Modegiganten, sorgt für das gute Gewissen und vor allem für das grüne Image. Bei H&M gibt es das PET-Abendkleid, bei Kunert die Fischernetz-Strumpfhose und bei Adidas die Ozeanplastik-Laufschuhe. Vorzeige Produkte, die kommunizieren: „Hey, wir sind auf dem richtigen Weg. Mit uns rettest du die Ozeane.“ Logisch, denn es klingt nach Innovation und Veränderung, wenn man die aus dem Meer gefischten PET-Flaschen in Form von Kleidung spazieren trägt. Wenn man aber genauer hinschaut, muss sich so vieles mehr als nur das Image der Modeketten verbessern. Der Prozess um aus Plastikmüll, vor allem PET Flaschen, Garn herzustellen, ist extrem aufwändig. Der Chemie- und CO2-intensive Recyclingprozess für die Massenproduktion lässt also große Zweifel, ob sich das überhaupt  lohnt. Es beginnt schon beim Einsammeln des Mülls, denn auch das fragt um komplexe logistische Lösungen. Zu beispielsweise asiatischen Produktionsstandorten, kommen Schiffsladungen mit gesammeltem Plastik aus Europa an, denn in Europa lässt sich dieses effizienter einsammeln als vor Ort. Wer es besser macht? Schwer zu sagen, denn kaum ein großer Hersteller geht transparent mit dem Recycling- und Herstellungsprozess um.

Hinzu kommt, dass diese vermeintliche Lösung für Meeresplastik, nicht wirklich zum Tragen auf der Haut gedacht sind. Auch nach chemischer Bearbeitung der „neuen“ Rohstoffe, bleiben Giftstoffe zurück. Diese, sowie Mikroplastik, gelangen beim Waschen des Kleidungsstücks wieder über das Abwasser ins Meer. Dort, wo es gerade noch herausgefischt wurde.

Vielmehr sollten wir uns weiter darauf konzentrieren, die Plastikflaschen und Einkaufstüten erst gar nicht ins weite Blau gelangen zu lassen. Eine ganz einfache Lösung, die euch sicher nicht fremd ist, ist die Nutzung von nachfüllbaren Trinkflaschen zum Beispiel von Dopper, sowie wiederverwendbaren Tragetaschen.

MODE AUS MEERESPFLANZEN

Doch die Industrie produziert derweil natürlich munter weiter. Wenn das Recyceln von Meeresplastik für die kurzlebige Fashionindustrie problematisch sein kann, wie sieht es dann mit dem Ansatz aus, aus nachwachsenden, pflanzlichen Materialien Neues herzustellen? Wenn schon neu, dann bitte aus Algen, finden einige. Wir haben uns den Trend der Algenmode mal näher angeschaut.

Es gibt sie schon: Badelatschen aus Algen. Ganz ohne fischigem Geruch oder glitschigem Gefühl unter der Fußsohle. So werden unsere fossilen Quellen nachhaltig für die Flip-Flop-Produktion genutzt. Wir alle tragen sie an heißen Tagen, am Strand oder im Schwimmbad – ein Produkt für die Massen, das aus Algen relativ unkompliziert hergestellt werden kann. Dann stellt sich plötzlich die Frage, wo sollen diese Mengen an Algen eigentlich herkommen? Vor allem wenn es nicht bei der Badelatschen-Produktion bleiben soll sondern Baumwolle und andere Fasern ersetzen soll. Die weltweite Bekleidungsindustrie ist so gigantisch, dass man mit ein paa Algen, etwas Biobaumwolle und ein paar recycelten Stoffen, keine große Veränderung in Sachen Nachhaltigkeit erreicht. Zumindest noch nicht. Textilexperten und Umweltorganisationen wissen, die Alternativen haben noch Potenzial um zu wachsen, werden aber nur einen Teil der Problemlösung ausmachen können. Die Lösung liegt immer noch bei uns Konsumenten: Gute, langlebige Produkte und dafür weniger davon  – das unschlagbare Rezept gegen die Verschmutzung unseres Planeten.

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