Interview Merijn Everaarts

Der Champagner ist alle, die guten Vorsätze sind noch warm. Zeit für einen Rückblick auf letztes Jahr mit Merijn Everaarts. Vor drei Monaten ist er – mit einer Kiste voller Dopper im Gepäck – vom niederländischen Haarlem nach New York umgezogen, um den Big Apple noch grüner als einen Granny Smith zu färben.

Merijn, erzähl doch mal: Was tut einen Mann, der shoppen nicht mag, in New York?
„In Amerika und ganz speziell in New York ist die Einwegplastik-Kultur wirklich auf ihrem Höhepunkt. Das ganze Leben hier ist enorm schnelllebig und das Mitnehmen von Essen und Getränken to go ist eher die Regel als die Ausnahme. Du kannst es Dir ja bestimmt denken: all diese Produkte werden in Plastik verpackt. Mit Dopper will ich eine nachhaltige und einfache Alternative zur Einweg-Plastikflasche vom Kiosk bieten.“

Und schmeckt das Leitungswasser in NY nach mehr?
„Das Leitungswasser ist sicher, aber an manchen Orten schmeckt es etwas nach Chlor. Hier bieten Wasserfilter eine Lösung. Deshalb sind wir mit einem Partner im Gespräch, der weltweit Wasserzapfstellen mit Wasserfilter aufstellt. Langfristig wollen wir Wasserzapfstellen über die Stadt verteilen und so ganz New York mit gutem Trinkwasser in erreichbarer Nähe versehen. Diese Stellen nehmen wir dann natürlich in unsere App auf, damit die New Yorker jederzeit die nächste Wasserzapfstelle finden können.“

Und wie ist das Leben für eine (Haarlemer) Mücke in Manhattan?
„Dieser neue Lebensraum gefällt mir sehr gut. Dopper-mäßig heißt es wirklich Gas geben. Im einen Moment stehst Du auf einem Event für nachhaltige Mode und im anderen Moment sitzt Du in einem Über-Taxi voller Kisten, Displays und zusammengefalteten Gliedern an der anderen Seite von New York. Letzteres ist besonders anstrengend, ich mache lieber alles per Fahrrad.“

Ach ja, das Fahrrad! Hattest Du nicht einen Korb mit einem Text vorn drauf?
„Ich finde es ziemlich peinlich, um Dir das zu erzählen, aber… das Schild ist hin…“

Möchtest Du darüber reden?
„Na ja, ich denke, dass es abgerissen wurde, denn es war ziemlich gut befestigt. Ich hatte darauf geschrieben: ‚Don’t take the bike, take a bottle’. Im Fahrradkorb lagen einige Dopper mit einer ‚Message in the Bottle‘, um die Leute darauf aufmerksam zu machen, wofür wir stehen. Das hat wirklich gut funktioniert, die Dopper waren im Nu weg. Also mache ich wieder ein Neues. “

Hattest Du keine Angst, dass die Dopper in falsche Hände geraten könnten?
„Ich vertraue auf das Gute im Menschen und ich glaube, dass jeder, der einen Dopper hat, auch ein Überbringer unserer Mission ist.“

Was war das Coolste, das Du bisher in New York gemacht hast?
„In jedem Fall die Aktion bei Urban Outfitters. Wir möchten unbedingt, dass unsere Dopper in den Filialen dieser Kette liegen, weil UO zu unserer Zielgruppe und dem Design passt. Aber nach fast einem Jahr mailen habe ich gemerkt, dass die Begeisterung noch nicht gegenseitig war. Das finde ich dann immer schade, denn die Leute wissen wirklich nicht, was ihnen fehlt, wenn sie Dopper nicht im Sortiment haben. Also dachte ich: ‚Wer nicht hören will, muss fühlen.‘ Wörtlich gemeint. Ich möchte, dass man den Dopper wirklich fühlt. Zeigen, was für ein Produkt es ist. Keine Sorge, ich habe niemanden mit einem Dopper Steel geschlagen.“

Was hast du dann gemacht?
„Wir haben ein paar Videos gedreht, während wir von Urban Outfitters in Amsterdam zur Zentrale in Philadelphia gereist sind. Unterwegs haben wir regelmäßig Videos gepostet, so dass die in Philadelphia wussten, dass wir zu ihnen unterwegs waren. Nachdem wir eintrafen, waren wir in der zentralen Halle zum Partycrashen in einer Lunch-Bar. Wir haben dort Wassercocktails gemixt, um das Eis buchstäblich zu brechen. Nach einer Viertelstunde hat man uns rausgeworfen, aber die Mitarbeiter von Urban Outfitters waren wach geshaked (und gestirred): im Januar werden wir mit ihnen nähere Gespräche führen. In der Zwischenzeit haben wir unseren ersten Shop im Broadway Market eröffnet. Dort bitten jeden Käufer, an einer Umfrage teilzunehmen, damit wir besser einschätzen können, wie die Amerikaner über Einwegflaschen und Leitungswasser denken.“

Hast Du während dieser Aktion nicht befürchtet, dass Du hinter Gittern landen könntest?
„Das war der Gag hier im Büro, dass wir unsere Feiertage bei Wasser und Brot in der Zelle verbringen würden.“

Gut, dass Du davon anfängst. Ist der Dezembervibe in NY wirklich so, wie Home Alone 2 vermuten lässt?
„Ja, dort herrscht crazy Shopping. Konsumieren, konsumieren, konsumieren. Alles sieht fantastisch aus. Nur habe ich Probleme mit diesem Überkonsum. Ich persönlich kaufe wirklich nur Dinge, die von hoher Qualität und langlebig sind. Da wo früher das ganze Wohnzimmer voll lag mit Kleinkram, liegen jetzt zwei Qualitätsgeschenke unter meinem kleinen Holzweihnachtsbaum. ‘’

Und äh, die unvermeidliche Frage so kurz nach Silvester: noch gute Vorsätze?
„Die Plastic Bridge natürlich. Wir wollen im Frühjahr eine Nachbildung der Brooklyn Bridge aus 50.000 Plastik-Wasserflaschen kreieren. Indem wir das Plastikproblem den New Yorkern nahe bringen, wird die Geschichte der Plastic Soup auch für sie relevant. Es erscheint ihnen jetzt zu weit weg, um etwas dagegen zu tun. Wie wir an all die Flaschen kommen wollen? Leider viel zu einfach, denn das ist genau die Menge, die die Amerikaner jede Minute wegwerfen…“

Wenige Augenblicke später erhalten wir eine WhatsApp von Merijn:

‘’Es ist wieder dran’’

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Happier können wir dieses End nicht machen. Oder doch: HAPPY NEW YEAR!

 

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